Teil 4: Botswana – Kalahari

Unser Flug führt uns in den weitläufigen Central Kalahari Game Reserve, der zu den größten Nationalparks der Erde gehört. Die flache Landschaft wird immer trockener, die Vegetation spärlicher. Wir nähern uns der Halbwüstenregion Kalahari. Es ist März, also Ende der Regenzeit und der Übergang zur Trockenzeit ist deutlich zu sehen.
Unser Ziel ist das Tau Pan Camp, ein weiteres Resort von Kwando Safari.

https://www.kwando.co.bw/camps/tau-pan/

Auch hier werden wir von einem Ranger-Team von der Landebahn abgeholt, Zimbo der Trecker und Clifford der Guide. Zimbo ist ein Buschmann, der das Leben und Überleben in der Halbwüste kennt, er ist auch ein erstklassiger Fährtenleser. In diesem Camp werden die Game Drives mit sechs Personen durchgeführt. Zusammen mit einem netten Paar aus Belgien werden wir, Christina, Peter, Michael und ich die nächsten zwei Tage Natur, besonders die Tierwelt in der flachen Landschaft, die von trockenem Gras- und Buschland geprägt ist, entdecken. Werden die zwei Guides uns auch so viel von ihrem Wissen, ihren Erfahrungen vermitteln wie Matt und K.T. im Okavango Delta? Wir sind gespannt.


Das  Safari-Camp befindet sich auf einer versteinerten Düne mit Blick auf die „Tau Pan“, übersetzt „Löwen-Pfanne“. Tau Pan heißt auch die permanente Wasserstelle nahe am Camp. Da diese Wasserstelle ein perfektes Jagdgebiet für Löwen ist, gaben die dort ansässigen Tswana dem Gebiet den Namen Tau Pan. „Tau heißt“ Löwe auf Setswana.



Pan Tau Camp, Chalets, Foto: Michael Schulze

Freundliche, kurze Begrüßung, wir beziehen unsere schönen Rieddach gedeckten Safari Chalets. Danach Lunchtime und kennenlernen anderer Gäste.

Game Drive am Nachmittag:
Gleich zu Beginn der Tour treffen wir auf einen Löwen, Einzelgänger. Auffällig ist sein magerer Zustand, jede Rippe zeichnet sich unter seinem Fell ab, die Mähne sieht auch nicht so üppig wie bei seinen Artgenossen im Okavango-Delta aus. Clifford meint, das ist ein Zeichen, dass er mindesten seit drei Tagen keine Beute gemacht hat. Eine zweite Raubkatze ist zu sehen. Wir sind etwas enttäuscht vom Anblick der ausgehungerten Tiere. Aber die Ursache dafür ist sichtbar. Das üppige blühende Grasland, dass sich mit Beginn der Regenzeit im Dezember bildet, verwandelt sich Mitte März allmählich wieder in die typische Halbwüste. Das bedeutet die Herden ziehen weiter oder laben sich in kleinen Gruppen an den Wasserlöchern. Für Raubtiere wie Löwen, Geparden, Leoparden, Hyänen, Wildhunde ect. wird der Jagderfolg mühsam und geringer.
 

Schwarzmähnenlöwe Foto: Michael Schulze
Game Drive, Kalahari Foto: © Michael Schulze

Wir fahren weiter zum Rand der Baumsavanne, denn Zimbo hat einen Großen Kudu entdeckt. Diese Waldantilopenart gehört zu den größten Antilopenarten. Laub und junge Zweige bevorzugen diese Pflanzenfresser. Eine Besonderheit hilft diesen Tieren zum Überleben: Sie können auch Pflanzen fressen, die für andere Tiere giftig sind.
Wir werden von zwei Kudu-Weibchen aufmerksam beobachtet. Denn bei Gefahr würden sie ihre im Dickicht versteckten Artgenossen durch bellende Rufe warnen.

Großer Kudu Foto: © M. Schulze

Typisch für die Pflanzen der Halbwüste sind die Dornbüsche, deshalb werden diese Landschaften auch Dornbuschsavanne genannt. Hoch oben auf einem dieser Büsche hält eine Gabelracke, auch Grünscheitelrappe Ausschau. Einen Vogel seiner Familie sind wir schon im Okavango Delta begegnet. Ihr erinnert euch? Auch hier in der Kalahari ist der Nationalvogel von Kenia und Botswana heimisch. Wunderschön erstrahlen während des Fluges die verschiedenen Blautöne seiner Flügel.
Könnt ihr eine zweite Gabelracke am Bildrand entdecken?

Gabelracke,Nationalvogel von Kenia und Botswana, Foto: © M. Schulze

Stolz wagt sich eine Weißflügeltrappe aus dem Dickicht auf die offene Grasfläche. Es ist ein Männchen, wie Clifford erklärt. Wieso? Das markante Merkmal des Männchens ist der weiße Fleck hinter dem Auge.

Weißflügeltrappe, männlich, Foto: © M. Schulze

So einen fuchsähnlichen Wildhund haben wir auch im Okavango Delta entdeckt. Hier in der Halbwüste begegnet uns ein ausgesprochen schönes Exemplar eines Schabrackenschakals, die Fellzeichung seiner „Schabracke“ ist wunderschön.

Schabrackenschakal, Foto: © M. Schulze

Am Wegrand wuseln lustige Erdmännchen sehr beschäftigt hin und her. Es sind Afrikanische Borstenhörnchen, auch Kap-Borstenhörnchen genannt, die zur Familie der Erdhörnchen gehören. Ihre selbstgegrabenen Bauten, die bis zu 100 Ausgänge haben und sich über mehr als 1000 Quadratmeter erstrecken können, bieten ihnen Unterschlupf vor ihren Feinden, wie Greifvögel und Mangusten, bei starkem Regen oder nachts. Denn diese bodenlebenden, putzigen Tiere sind tagaktiv.

Afrikanische Borstenhörnchen, Fotos: © M. Schulze

Wenn die Sonne erbarmungslos scheint, biegen die Borstenhörnchen ihren überdimensionalen, buschigen, borstigen Schwanz zum Schutz über ihren Rücken. Sie tragen ihren „Sonnenschirm“ sozusagen immer bei sich. Bei Gefahr stoßen sie laute Warnungen aus und in „Null-Komma-Nix“ verschwinden alle Tierchen in ihrem Bau.

Der Tag senkt sich, eilig kehren wir zurück zum Camp.

Sonnenuntergang, Kalahari Foto: © M. Schulz

Wir sind zurück im Camp, denn nächtlicher Aufenthalt oder Nacht-Safaris sind hier nicht erlaubt. Wir erleben einen gigantischen Sonnenuntergang von der Terrasse des Camps. Die Pracht der Milchstraße steht uns noch bevor.

Sonnenuntergang Pan Tau Camp Foto: © M. Schulze

Nächster Tag – nächster Game Drive!
Mit der aufgehenden Sonne starten wir am 10. März zum nächsten Game Drive. Die Kühle der Nacht und die einsame Weite der Kalahari umfangen uns. In der Ferne hinter einzelnen Akazien geht die Sonne auf. Summende Stille!

Sonnenaufgang Kalahari Foto: © M. Schulze

Vereinzelte Büsche und Bäume tauchen in der offenen, trockenen Landschaft auf, Lebensraum auch für den Silbersinghabicht.

Silbersinghabicht, auch Großer Singhabicht Foto: © M. Schulze

Beeindruckend sein Start und Flug!

Silbersinghabicht Flug Fotos: © M. Schulze

Auch in der Kalahari treffen wir „Zasu“, diesmal mit gelbem Schnabel und im Doppelpack. Der Gelbschnabeltoko hat den Scherznamen „Flying Banana“ und bevorzugt als Lebensraum die trockene Dornbuschsavanne und offenes Waldland. Für die Familie der Nashornvögel, zu denen beide, Rotschnabel- und Gelbschnabeltoko gehören, gilt: Haben sich Männlein und Weibchen gefunden, bleiben sie sich ein Leben lang treu. Sie sind nicht nur monogam, sondern auch standorttreu (nicht so reiseneugierig wie wir).

Gelbschnabeltoko-Paar Foto: © M. Schulze

Wie Wüstenkönige schreiten Oryxantilopen Richtung Wasserloch. Diese Groß-Antilopen können viele Stunden ohne Wasser überleben. Sie haben sich an Klima und Vegetation der Halbwüste sehr gut angepasst. „Sie fressen vorzugsweise nachts bis in die frühen Morgenstunden“, sagt Zimbo. „Warum?“, „Da ihre Nahrung durch nächtlichen Tau Feuchtigkeit aufnimmt“, weiß der erfahrene Buschmann. Sie sind Wiederkäuer. Die Geschlechter sind von vorn kaum zu unterscheiden, da beide die gleichen langen Hörner und die typische schwarze Gesichtsmaske haben. 

Schaut einmal auf die Hörner der Oryxantilope. Bei seitlicher Betrachtung verschmelzen die eng beieinander stehende Hörner zu einem Horn. Diese Darstellung, so besteht die Vermutung, könnte das Vorbild für die mythologische Vorstellung und Darstellung des Einhorns gewesen sein.

Die verschiedenen Wasserlöcher sind ein Paradies für Giraffen.

Giraffenherde Foto: © M. Schulze

Giraffen beim Trinken zu betrachten, ist eine kuriose Show. Die Beinstellung, die das Gleichgewicht stabilisiert, wenn der lange Hals der Giraffe den Kopf Richtung Wasserpfütze senkt, grandios.

Giraffenkühe Foto: © M. Schulze

Die zwei Silbersinghabichte scheinen genauso wie wir die Giraffen beim Trinken zu bestaunen. Oder schauen sie, ob Gefahr durch hungrige Raubtiere besteht?

Silbersinghabichte Foto: © M. Schulze

Zimbo und Clifford halten Ausschau nach einem Gepard oder Leopard. Ihr Unterfangen ist sehr ehrgeizig. Aber die Raubkatzen spielen nicht mit, bleiben in ihrem Versteck. Wo ist das Problem? Das ist Natur life!

Da macht Peter eine tierische Entdeckung. Statt eines lauernden Geparden im Gebüsch krabbelt eine Schildkröte geradewegs in ihr Versteck.

Foto: © Michael Schulze

Wir vier und das belgische Paar lachen und stecken unsere zwei Guides damit an. 

Überleben ohne Wasser?
Clifford zeigt und fragt uns: “Seht ihr den trockenen Stock dort drüben? Zimbo wird euch jetzt demonstrieren, welche Bedeutung ein trockener Stock gegen Durst, also für das Überleben in der Wüste hat.“

Unter dem Stock verbirgt sich eine dicke Wurzelknolle, die Zimbo ausgräbt, mit dem Messer reinigt. Dann drückt er die helle Knolle kräftig zusammen, so dass eine milchige, klebrige Flüssigkeit heraustritt, die er sich in den Mund tropft.


Zimbo, gehört der Ethnie der nomadischen Buschmänner an. Seit Tausenden von Jahren durchqueren sie dieses Land der Extreme, es ist ihre angestammte Heimat.

Für den letzten gemeinsamen Abend ist alles vorbereitet. Es ist Zeit Abschied zu nehmen.

Fotos: © Michael Schulze

Die Weite der Kalahari hat uns sehr beeindruckt. Die Nähe zur Natur ist faszinierend. Wir waren möglicherweise einen Monat zu spät hier, denn die großen Herden waren schon weiter gezogen, entsprechend auch die Großkatzen, Hyänen und Wildhunde. Das nächste Mal müssen wir ein oder zwei Monate früher in die Kalahari, dann wenn die Regenzeit die Savanne in ein blühendes, grünes Grasland verwandelt hat. 

Das Kalaharibecken ist ein riesiges geografisches Gebiet das mehrere Länder des südlichen Afrika einschließt. Der Central Kalahari Game Reserve erstreckt sich länderübergreifend in Botswana, Namibia und Südafrika. Warum nicht träumen von einem nächsten Tripp, vielleicht nach Namibia?

Sonnenuntergang Pan Tau Foto: © M. Schulze

Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen, denen wir begegnen durften, hat uns begeistert. Der Stolz den sie zeigen, wenn sie über ihr Land, ihre Heimat Botswana sprechen, auch das Miteinander und der gegenseitige Respekt der verschiedenen Ethnien war von einer natürlichen Selbstverständlichkeit.

Clifford und Zimbo bringen uns zum Airstripe. Wieder einmal heißt es Abschied nehmen, Abschied von sehr liebenswerten Menschen.

Ein Flugzeug landet sanft auf dem Airstripe von Pan Tau. Hinter dem Steuerhorn sitzt Lilly, eine hübsche Pilotin. Sie fliegt uns nach Kasane. Die Stadt liegt im Vierländereck von Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe am Fluß Chose.

Nach 2 Stunden Flug und einer perfekten Landung erreichen wir Kasane. Wir erzählen Lilly von der legendären Landung des jungen Piloten während des Gewitters im Splash Camp. Lachend vertraut sie uns an, dass sie von diesem Flug gehört hat. Solly, der Pilot, ist ihr Cousin.

nördliche Kalahari Fotos: © M. Schulze

Wohin geht unsere Reise nach der Landung Kasane-Aiport? Nur soviel: Passkontrolle zur Ausreise aus Botswana, Impfpasskontrolle, 30,-US-Dollar für ein Visum, Immigration zur Einreise nach Simbabwe – alles verlief schnell und ohne Komplikationen.
Unser Ziel in Simbabwe? Schaut in den nächsten Blogbeitrag.